Mich selbst schützen

Heute ist es schon wieder passiert: ich habe im Internet recherchiert und stoße auf eine Meldung, die mein Herz so sehr berührt, dass es mir einen Stich versetzt. Die Überschrift und das Bild darunter haben schon gereicht. "Baby-Nashorn weint über getötete Mutter" lautete die Zeile und darunter war das Foto eines toten Nashorns zu sehen, dem das Horn abgeschnitten wurde und daneben ein kleines, süßes Baby-Nashorn, das seine tote Mutter anstupst. Wie brutal ist diese Welt eigentlich? Der nächste Gedanke war: Wer bitte hat dieses Foto gemacht, kümmert sich nun jemand um das arme Wesen, dem die Mutter genommen wurde? Und so weiter und so fort. Mir geht das durch Mark und Bein. 

 

Vor Kurzem ist mir was ähnliches passiert. Ich fahre von der Arbeit nach Hause, im Radio laufen SWR1-Nachrichten. Man könnte meinen, dass dieser Kanal relativ harmlos ist. Doch was passiert mir? Sie berichten über den Schlachthof-Skandal in Tauberbischofsheim und beschreiben anschaulich, wie dort irgendwelche Menschen die armen Tiere unglaublich grausam misshandelt haben. Ich musste dazu nicht einmal das Bild sehen, mir wurde schon von der nüchternen Erzählweise des Radio-Moderators schlecht.

 

Ich habe schon vor einiger Zeit angefangen, mich zu schützen, indem ich genau darauf achte, mit welchen Themen ich mich beschäftige, welche Fernsehsendungen und Filme ich anschaue und welche Bücher ich lese. Doch immer wieder werde ich mit Dingen konfrontiert, die mir im wahrsten Sinne des Wortes zusetzen. 

 

Und ich hadere dann mit mir selbst: ist es unverantwortlich, sich von Themen bewusst abzuwenden, nur weil sie einem nicht gut tun? Ist es dann so etwas wie die Augen verschließen vor der Realität? 

 

Bislang komme ich immer wieder zu der Antwort, dass es richtig ist, zu filtern. Alles, mit was ich in Berührung komme, gedanklich, bildlich, emotional, hat einen Einfluss auf mich. Es macht was mit mir. Ich übernehme Verantwortung für mich selbst, indem ich mir bewusst aussuche, welche Themen ich an mich ranlassen will.

Und ich kann es einfach nicht sehen, wie das Baby-Nashorn plötzlich allein und verlassen ist, weil irgendein bösartiger, grausamer Mensch seine Mama getötet hat, um ihr Horn verkaufen zu können. Vor drei Jahren ca. wurde ein Nashornbaby in der Wilhelma geboren. Ich bin extra zweimal hingefahren, um es mir anzuschauen. Wie süß es aussah! Und wie sehr es sich an seiner Mutter orientiert hat. Wie muss das erst in der freien Wildbahn sein?

 

Ich möchte trotz all dem Unrecht und Leid in der Welt glücklich leben können. Ich achte darauf, wie ich mit mir und meiner Umwelt umgehe, was ich esse und was ich einkaufe. Also werde ich auch weiterhin darauf achten, welche Inhalte ich an mich ranlasse und welche nicht. Es ist ohnehin kaum möglich, sich vor allem zu schützen. Sonst wären mir diese beiden Beispiele oben nicht begegnet.