Du bist, was Du wagst zu sein

Ich kenne es von mir selbst sehr gut und höre es derzeit oft von Personen, mit denen ich zusammenarbeite: ich würde das ja gerne tun, aber dann halten mich die anderen für verrückt. 

Zum Beispiel einfach mal allein im Wald spazieren zu gehen. Oder allein ins Kino zu gehen, wenn sich keiner findet, der den wirklich speziellen Film mit Dir anschauen will. 

 

"aber dann halten mich die anderen für verrückt..." 

 

Ups, da muss ich schwer schlucken. Zum einen, weil ich diesen Gedanken gefühlt ein halbes Leben lang mit mir herumgetragen habe. Wahrscheinlich sogar länger. Ich bin mit einem manisch-depressiven Vater aufgewachsen und "ver-rückt gehalten zu werden" war das, wovor ich am meisten Angst hatte. Sehr lange Zeit. Das hat dazu geführt, dass ich mich unbewusst angepasst habe. Und mir das selbst als "normal" eingeredet habe. So sein wie die große Masse - das gab mir Sicherheit. Und gleichzeitig spürte ich in mir, dass ich das nicht bin. 

 

Irgendwann ist dann die Fassade zusammengestürzt, aufgrund unterschiedlichster Umstände und nach und nach werde ich immer mehr zu dem Menschen, der ich bin. Und der ist manchmal ganz schön verrückt. Zum Beispiel gehe ich sogar recht gern allein ins Kino mittlerweile. Ich setze mich auch allein in ein Restaurant. Ich habe einen Beamtenstatus auf Lebenszeit aufgekündigt, weil ich spürte, dass ich lieber Unternehmerin sein will. Meinem Herzen folgen will. Sehr verrückt in den Augen vieler Menschen. Und mittlerweile kann ich über mich und meine damaligen Ängste nur noch lächeln. Und ich habe gelernt, dass meine Angst ein unglaublich guter und verlässlicher Wegweiser ist. Denn sie setzt immer dann ein, wenn ich meine Komfortzone verlasse. Sie verleitet mich dazu, Ideen zu spinnen, verrückte Dinge auszuprobieren, zu träumen. 

 

Ich kann Dich nur dazu ermutigen: probiere die Dinge aus, die Du gerne tun würdest, vor denen Dich Deine Angst jedoch abhält. Nimm die Angst und kreiere etwas damit. Etwas Neues, etwas, das noch niemand vor Dir gemacht hat. Auch ich bin noch lange nicht am Ziel angekommen. Und: ich glaube es gibt gar kein Ziel. Das Leben passiert im Jetzt und Veränderungen gehören dazu. Ich kann gar nicht wissen, wo ich ankommen werde. 

 

Was mir auf meinem Weg hilft: der Austausch mit anderen Menschen, mit Menschen, die ich liebe, wie zum Beispiel meinem Mann und meiner Familie und Freunden. Aber vor allem auch die Begegnung mit Menschen, mit denen ich im "normalen" Leben nicht viel zu tun gehabt hätte. Ich habe zum Beispiel eine 93jährige Freundin, die mir Geschichten aus ihrer Kindheit erzählt - eine ganz andere Welt, die für sie noch Realität war. Oder im Fitnessstudio Leute, die ganz andere Dinge arbeiten als ich. Oder beim Spaziergang mit dem Hund mit Menschen, die mir einfach so eine Geschichte erzählen. Und natürlich vor allem bei meiner Arbeit, mit der ich so viele unterschiedliche Lebensgeschichten erfahren darf. Ich bin dankbar dafür und dankbar für mein Ver-rückt-Sein. Im positiven Sinne :-) 

 

Wenn Ihr jemanden braucht zum Austausch, zur Inspiration bin ich gerne für euch da. Doch auch das "mit offenen Augen durch den Alltag gehen" und jede Begegnung als Geschenk annehmen, auch das kann euch jede Menge Abenteuer bescheren. 

Viel Spaß dabei! 

Eure Simone Haist