Wir Menschen und unsere Erde

Kennst Du den Film Matrix? Dieser Film begleitet mich schon eine Weile in meinem Leben. Zum ersten Mal hab ich ihn während meines Studiums geschaut, vor nicht ganz zwanzig Jahren, in einem sehr engen Zimmer im Studentenwohnheim, zusammen mit mehreren anderen aus der WG. Der Film hat mich sehr berührt, doch wie das damals so war: der Film war der Auftakt zu einem Abend mit einer Party, Feiern war angesagt, kein langes Philosophieren über den Inhalt des gerade Gesehenen. 

 

Ein paar Jahre später kam dann die Fortsetzung und ein dritter Teil - dann war es die Matrix-Trilogie. Ich hab sie mir im Kino angeschaut. Fasziniert und gleichzeitig abgestoßen von dieser Endzeit-Geschichte. 

Letztes Wochenende war ich krank und konnte nicht viel anderes tun, also habe ich mir alle drei Matrix-Filme hintereinander angeschaut. Zwischendrin muss ich immer wieder eingeschlafen sein.

 

Doch ein Satz aus dem ersten Teil bzw. eine Szene daraus lässt mich seitdem nicht mehr los: Mr. Smith - eine künstliche Intelligenz, eine Maschine, die aussieht wie ein Mensch - redet auf Morpheus ein - ein echter Mensch, den er foltert, um von ihm Informationen zu erhalten. 

Und er sagt Folgendes zu ihm (sinngemäß):

 

Ihr Menschen seid doch gar keine richtigen Säugetiere. Alle anderen Säugetiere schaffen es, eine Symbiose mit ihrer Umwelt einzugehen, weil sie wissen, dass sie ohne ihre Umwelt nicht existieren können. Ihr Menschen seid eine andere Spezies. Ihr seid wie ein Virus, wie ein Krebsgeschwür. Ihr schafft es nicht, im Einklang mit eurer Umgebung zu leben. Das einzige was ihr kennt ist, euch zu vermehren und euch alles zu nehmen. Wenn das dann nicht mehr ausreicht, müsst ihr euer Siedlungsgebiet immer weiter ausdehnen. Ohne Rücksicht auf Verluste. Ihr zerstört Eure Lebensgrundlage, Euren Herd. Wie ein Krebsgeschwür, das seinen Herd auffrisst. Ihr macht es mit eurem Planeten genau so.  

 

Eine Maschine sagt dies zu einem Menschen. Man könnte denken: Endzeitfilm, Science-Fiction, alles nicht real, ausgedacht... 

Doch es ist so unglaublich real! 

 

Wir Menschen zerstören diesen Planeten, auf die unterschiedlichsten Arten, breiten uns immer weiter aus, bedienen uns an der Natur, als ob alles uns gehört. Wo soll das hinführen? 

 

Diese Woche habe ich einen Artikel gelesen darüber, dass es mehrere indigene Stämme im nordwestlichen Amazonas-Gebiet gibt, die noch vollkommen für sich leben, ohne Berührung zur "zivilisierten" Welt. Diese Menschen wissen von der Welt außerhalb des Waldes, verstecken sich jedoch vor uns. Weil sie Angst haben und wie es scheint, vollkommen zurecht. 

Das schlimme an dem Artikel war für mich jedoch der letzte Abschnitt, in dem der Autor schreibt: irgendwann wird der ganze Wald abgeholzt sein. Dann können wir von diesen Menschen viel lernen. Wir können von Ihnen lernen, wie man in einer lebensfeindlichen Umgebung überleben kann. 

Wie kann er nur davon ausgehen, dass der Wald irgendwann komplett verschwunden sein wird? Was ist bloß los mit uns Menschen?

 

Seitdem ich Kind bin, höre ich beinahe täglich Meldungen wie: saurer Regen, Waldsterben (das war in den 80ern), Ozonloch (etwas später), Klimawandel, Plastikflut in den Meeren, schmelzende Gletscher und Eisberge... wir müssen etwas an unserem Konsumverhalten verändern... weniger Auto fahren.... weniger Müll produzieren... 

Und was passiert tatsächlich? Wir fahren immer größere Autos, produzieren immer mehr davon. Es gibt immer mehr Plastik, immer mehr Müll, immer schlechtere Luft... 

 

Worauf ich hinaus will fragst Du Dich? Will sie mir ein schlechtes Gewissen machen? 

Das will ich nicht. Ich persönlich möchte niemanden belehren oder irgendjemandem sagen, wie er was zu tun hat. Ich bin selbst überfordert mit diesem Thema. Weil auch ich Teil dieser Gesellschaft bin und mich Vielem nicht entziehen kann und auch ich konsumiere. 

 

Doch glaube ich, je bewusster wir Menschen leben und je mehr wir uns über unser Handeln Gedanken machen, uns unseren Themen annehmen, wachsam und aufmerksam sind, desto eher können wir auch hier nach und nach eine Veränderung bewirken.

Jeder Wandel, jede Veränderung beginnt bei uns selbst. Allein das Bewusstsein darüber, dass wir es mit unserer Lebensgrundlage zu tun haben, wenn es um die Meldungen über Klimawandel und Plastikflut geht, kann vielleicht schon etwas verändern. Dass wir uns im Grunde selbst den Saft abdrehen. Langsam, aber stetig. 

Es ist nicht das Problem der anderen. Es ist mein Problem, es ist Dein Problem. 

Und jeder Einzelne von uns kann etwas bewirken. Direkt in seinem Leben, bei sich. 

 

Was könnte das bei Dir sein? Denk mal drüber nach. 

Simone Haist, 09.09.2018